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Die älteste Jagdhundrasse Europas?
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Die Existenz eines Jagdhundes vom Urtyp lässt sich auf Kreta über einen Zeitraum von mindestens 4000 Jahren nachweisen. Zahlreiche archäologische Funde und schriftliche Überlieferungen aus der Antike legten schon seit langem den Verdacht nahe, daß sich dieser Hundetyp über die Jahrtausende hinweg nahezu unverändert erhalten hat. Einige Kynologen und Archäologen vermuteten, daß es sich bei dem heutigen Kretischen Hund um die gleiche Hunderasse handelt, mit der schon die Minoer auf die Jagd gingen und somit um die älteste Jagdhundrasse Europas. Eine umfangreiche genetische Studie, durchgeführt von einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der Universität Herakleion und dem Naturhistorischen Museum Kretas, hat dieses in ihrem im Juni 2007 veröffentlichten Bericht bestätigt. (siehe: Genetische Studie und Bericht der Universität Heraklion ) Die ursprüngliche Herkunft des Kretischen Hundes gibt zum jetzigen Zeitpunkt noch Rätsel auf, denn bei der o.g. Studie konnten keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu irgendeiner der bisher untersuchten anderen Hunderassen nachgewiesen werden. Das Genom des Kretischen Hundes unterscheidet sich stark von dem aller anderen Hunde, und auch von dem des Wolfes.
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Vor- und Frühgeschichte Die Zeit der Minoer Die Hellenistische und die Römische Epoche Die Herrschaft der Osmanen Die Neuzeit Die Situation heute
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Vor- und Frühgeschichte
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Vereinzelte Funde aus der Steinzeit zeigen bereits Jagdszenen mit stehohrigen, ringelschwänzigen Hunden. Abbildungen dieses Hundetyps fand man auf Felszeichnungen von Nordafrika bis nach Frankreich. Auch auf Kreta wurden vor allem in Kulthöhlen Bilder und kleine Votivfiguren gefunden, die Hunde darstellen.
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Die Zeit der Minoer
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Die meisten Darstellungen Kretischer Hunde stammen aus der Bronzezeit, der minoischen Epoche (ca. 3000 v.Chr. bis 1100 v.Chr.). Ab ca. 1400 v.Chr. verstärkt sich der Einfluß mykenischer Kunst auf Kreta. Auf Siegeln, Wandfriesen, Keramik und Votivgaben findet man Darstellungen von Hunden, meistens in Verbindung mit der Jagd auf Wildziegen. Die extrem hohe Anzahl im Vergleich zu Abbildungen anderer Tierarten zeigt den hohen Stellenwert, den der Hund offensichtlich bei den Minoern hatte. Die Siegelsteine, die rechts in der Sidebar zu sehen sind, wurden vorwiegend in den Palastanlagen von Knossos und Kato Zakros gefunden.
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Dieser Eindruck wird bestätigt durch die Ausgrabungen der British School of Archaology in Roussolakos bei Palaikastro im Osten Kretas. Hier befand sich in minoischer Zeit die größte Siedlung Kretas, Eliá, mit einem bedeutenden Heiligtum des Diktäischen Zeus. Ein in diesem Heiligtum entdeckter Siegelabdruck zeigt einen Jäger mit zwei Hunden, die eine Kretische Wildziege angreifen. In unmittelbarer Nähe fand man zwei Brunnen aus spätminoischer Zeit (ca. 1450 v. Chr.) und darin die Skelette von verschiedenen Säugetieren, Pferden, Schafen, Ziegen, Schweinen usw., 55% dieser Knochen stammten jedoch von Hunden, unter ihnen waren 28 vollständig erhaltene Hundeskelette. Die Hunde waren verschiedenen Alters, vom jungen Welpen bis zum sehr alten Hund, dessen Zähne bis auf die Knochen abgenutzt waren. Wie uns der leitende Archäologe der Ausgrabung, Alexander MacGillivray, erklärte, wurden diese Hunde nach ihrem Tod der Gottheit als Opfer dargebracht. Sie wurden mit Grabbeigaben bestattet, und die Art der Bestattung weist auf den hohen Status des Hundes im minoischen Kreta hin. Der Hund war ein heiliges Tier, denn er war wichtig für die Jagd, die nicht nur der Nahrungsbeschaffung diente, sondern auch eine rituelle Handlung darstellte. Die Jagdbeute, meistens Hase oder Wildziege, wurde als Opfertier verwendet.
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Alexander (Sandy) MacGillivray untersuchte in Zusammenarbeit mit der Archäozoologin Sheila Wall-Crowther die Skelette und stellte fest, daß sie zahlreiche anatomische Merkmale aufweisen, die mit denen des heutigen Kritikós Lagonikós identisch sind, z.B. die Kopfform mit langem Fang, lange Beine, tiefer Brustkorb. Er vertritt die Ansicht, daß es sich bei beiden um dieselbe Hunderasse handelt, der minoische Hund sich also über einen so langen Zeitraum erhalten hat. Um diese These zu beweisen, wurde gentechnisch verwertbares Material aus den Zähnen der Skelette gewonnen. Bereits 1995 wurden Blutproben von 50 Kretischen Jagdhunden auf der ganzen Insel (Sitia, Ierapetra, Ag. Nikolaos, Iraklion, Chania) gesammelt. Diese wurden von einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe des Naturhistorischen Museums der Universität Kreta in Iraklion mit den Proben der minoischen Hunde verglichen. Dabei wurden auch verwandschaftliche Beziehungen zu anderen Hunderassen, vor allem des Mittelmeerraumes überprüft. Daß man Abbildungen ähnlicher Hunde auch auf den anderen griechischen Inseln, in Nordafrika und auch in Ägypten gefunden hat, ist sicherlich kein Zufall. Die Minoer beherrschten zusammen mit den Phöniziern den Handel im gesamten östlichen Mittelmeer zwischen Ägypten und Sizilien. Als wertvolles Handelsgut führten sie die berühmten Kretischen Hunde mit sich und man ging bisher davon aus, daß sie sich so bis zu den Britischen Inseln verbreiteten und die dort vorhandenen Jagdhundtypen beeinflussten. Durch die genetische Analyse wurde diese Annahme jedoch widerlegt.
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Die Hellenistische und die Römische Epoche
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Wohl kein Hund der griechischen Antike ist von den zeitgenossischen Künstlern so oft dargestellt und beschrieben worden wie der Kretische Hund. Von 1100 v.Chr. bis 480 v.Chr. beherrschen die Dorer die Insel, die Eteokreter (echten Kreter) ziehen sich in die abgelegenen Bergregionen im Osten der Insel zurück. Das interessanteste Fundstück einer Hundedarstellung aus der sogenannten Geometrischen Epoche Kretas (900-650 v. Chr.) ist eine Metallklinge, die in der Ida-Höhle im Psiloritis-Gebirge gefunden wurde und heute im Museum von Iraklion zu sehen ist (Saal 121, Vitrine 169). Es gibt aus Klassisch-griechischer Zeit (480 v.Chr. bis 67 v.Chr.) viele Hundedarstellungen, vor allem auf Vasen, die entweder den Kretischen oder den Lakonischen Hund zeigen. Meist handelt es sich um Jagdszenen, aber der Kreter wird auch häufig im Zusammenhang mit dem Mythos von Aktaion abgebildet. Die Römer haben auf Kreta in der Zeit von 67 v.Chr. bis 330 n.Chr. mehrere Mosaiken mit Hundebildern hinterlassen.
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In der Antike tauchten erstmals Schriftstücke auf, deren Autoren sich mit Hunden oder der Jagd beschäftigt hatten. Xenophon (430-354 v. Chr.) widmet in seinem Werk „Kunst der Jagd“ den Jagdhunden mehrere Seiten und bezeichnet die Kretischen Hunde als die besten Hasenjäger der Welt neben dem Hund der Lakonier. Auch in anderen Schriftstücken dieser Epoche wird der Kretische Hund als vielseitig verwendbarer Gebrauchshund beschrieben, der kräftig und mutig ist und für die Jagd auf Wildschwein, Wildziege und Hase genutzt wird. Er ist besonders schnell und hält leicht mit dem Pferd Schritt, wird daher als „parippos“ bezeichnet (παρ... = Vorsilbe neben, ίππος = Pferd). Sein großes Durchhaltevermögen bei der Jagd in felsigem und dornigem Gelände trägt ihm das Attribut „diaponos“ ein (διαπόνος = der die Ermüdung überwindet). Ovid (geb. 43 v. Chr.) schreibt, daß eine Truppe von Jagdhunden undenkbar ist ohne einen guten Kretischen Hund. Oppian (2.Jh. n. Chr.) beschreibt in seiner Arbeit „Die Jagd“ das Aussehen des Kretischen Hundes sehr genau und es stimmt im Wesentlichen mit dem des heutigen Kritikós Lagonikós überein.
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Die Herrschaft der Osmanen
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Nach der Römischen Epoche werden die Berichte über die Kretischen Hunde immer spärlicher. Kreta wird in den folgenden Jahrhunderten zum Spielball der Mächte. Mit der Eroberung der Insel durch die Türken 1669 beginnt für die Kreter eine Schreckensherrschaft, die auch vor den Hunden nicht halt macht. Den ohnehin hundefeindlichen Muslimen sind die Hunde der kretischen Bevölkerung ein Dorn im Auge, denn sie sind eine große Hilfe bei der Nahrungsbeschaffung während der Belagerung durch die Türken. 1845 wird ein Erlass bekannt gegeben, daß alle Hunde auf Kreta zu töten sind, um die Kreter an der Jagd zu hindern, aber in den abgelegenen Bergregionen v.a. im Osten der Insel überlebt der Bestand. In dieser Zeit kommen auch die ersten europäischen Reisenden nach Kreta. Interessiert an Landschaft und Natur bleiben ihnen die aus ihrer Sicht fremdartigen Hunde der Insel nicht verborgen. Im Jahre 1701 bereist der französische Arzt und Botaniker Pitton de Tournefort Kreta und berichtet darüber in seinem Werk „Bericht einer Reise durch den Orient“ : „Wenn auch das Leben der Bewohner Kretas ziemlich träge ist, so hören diese jedoch nicht auf, zu reiten und sich der Jagd zu widmen. Alle Hunde Kretas sind Windhundmischlinge, zierlich, von hohem Wuchs, und es scheint, dass sie alle der gleichen Rasse angehören. Ihre Farbe ist hässlich, und von ihrem Verhalten her scheint es, dass sie etwas vom Wolf oder vom Fuchs abstammen. Sie sind seit dem Altertum bekannt für ihre Intelligenz und als großartige Jäger von Hasen und Wildschweinen. Wir trafen in diesem Land keine andere Hunderasse, sie hat sich wohl aus dem antiken Griechenland erhalten. Während unseres Dienstes hatten wir einen Kretischen Hund, der manchmal in abgelegenen Gegenden für unseren Lebensunterhalt sorgte, indem er uns Hasen oder kleine Schweine fing. Er hatte eine solche Abscheu vor Menschen, die einen Turban oder Fes trugen, dass er sich in eine Ecke des Vorratsraumes im Haus unseres Konsulates zurückzog, wo er ruhig wartete, dass man ihm Futter gab, ohne es zu wagen, in die Küche zu gehen, während er freudig herankam, wenn jemand mit Hut erschien. Wir wurden Freunde, denn wir hatten viele Vorteile von dem Hund, und er hielt sich mehr bei uns auf als bei den anderen Franzosen. Wenn wir im Dienst waren, gab er kein Zeichen von sich. Aber klatschten wir in die Hände und riefen 3-4-mal seinen Namen, so kam er sofort, ging auf die Jagd und ließ nicht ab, ohne uns einen Hasen oder ein kleines Schwein zu bringen. Im antiken Kreta war es nicht erlaubt, Schweine zu jagen, weil sie als heilige Tiere betrachtet wurden. Dazu gibt es einen Mythos, nach dem Zeus nicht nur im Dikti-Gebirge geboren, sondern dort auch von einem Schwein gesäugt wurde. Unser Kretischer Hund, Arapis, und seine Freunde werden in diesen Zeiten aber kein Glück haben, ohne Wildschweine zu jagen. Er folgte uns bis zum Boot, als wir unsere Rückreise antraten, und niemand machte sich darüber lustig. Er wich den Turbanen mit solcher Vorsicht aus, als wäre er auf der Insel, um für die anderen Franzosen, die dort geblieben waren, zu jagen und ihnen Hasen und Schweinchen zu bringen.“ Sonini, ebenfalls Franzose, kommt 1778 nach Kreta und veröffentlicht 1801 in Paris seine Reiseerinnerungen unter dem Titel „Reisen in Griechenland und der Türkei“. Er schreibt über den Kretischen Hund: “Dies ist eine andere Haustierart der Insel Kreta, der beste Freund der Menschen und Begleiter der Pferde. Aufgrund ihrer Flinkheit und Schnelligkeit sollen diese Hunde die besten Griechenlands sein, zusammen mit den Lakoniern. Aber diese Rasse ist verfälscht, vor allem seitdem die Türken dieses schöne Land besetzt haben. Die Hunde Kretas, wie fast alle des Orients, sind eine Art Windhunde von großer Statur. Es fehlt ihnen nichts, um schön zu sein, außer etwas Pflege.“ Er stellt weiterhin fest, dass die Hunde es in diesem „Land der Tyrannei und Sklaverei“ genauso schwer haben wie die einheimische Bevölkerung und bemerkt mit Verwunderung, dass diese Tiere mit ihrem starken Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung des Menschen trotz Vernachlässigung und Misshandlung mit außerordentlicher Treue und Hingabe an ihren Herren hängen, obwohl sie sehr gut in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen. Der Engländer Pashley berichtet in „Reisen auf Kreta“ im Jahre 1834: „Die Kretischen Hunde sind nicht so grob wie die Albanischen, die von den antiken Molossern abstammen. Sie sind alle von gleicher Rasse und charakteristisch für die Insel. Sie sind kleiner als ein Greyhound und mit etwas längerem und rauerem Haar, ihr Kopf erinnert mehr an einen Wolf. Sie verfolgen die Beute mit dem Geruch, sind sehr intelligent und erinnern in jeder Hinsicht mehr an einen Lurcher als an einen Greyhound (Anm.: Lurcher werden v.a. von den Zigeunern der Britischen Inseln für die Hasenjagd gezüchtet). Ich bezweifle nicht im Geringsten, dass sie reine Nachkommen des Hundes sind, den die antiken Schriftsteller beschrieben.“ In diesem Zusammenhang erzählt er schließlich vom Mythos über den berühmten Kretischen Hund des Kephalos. 1869 veröffentlicht der Naturforscher Victor Raulin in Paris seine „Beschreibung der Natur Kretas“, wiederholt aber nur die von den anderen Autoren bereits beschriebenen Eigenschaften des Kretischen Hundes.
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Die Neuzeit
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Der Zoologe Conrad Keller, einer der angesehensten Kynologen seiner Zeit, untersucht den Kretischen Hund im Jahr 1902 und stellt fest, dass er zu der Gruppe von Hunden gehört, die als gemeinsamen Vorfahr den Abessinischen Hund (Canis simensis) hat. Er bezeichnet ihn als reinen Windhund, der seinen ursprünglichen Charakter bewahren konnte: langer, schmaler Kopf, spitze Schnauze, tiefer Brustkorb, lange Beine und sehnige Muskeln. Sowohl im Aussehen als auch in der Verwendung findet er viele Übereinstimmungen mit den Beschreibungen der antiken Autoren. 1931 bekommt Paul Spatz vom Direktor des Berliner Zoos, Geheimrat Heck, den Auftrag, auf der Insel Kreta die berühmten Hunde zu untersuchen. Aber er findet nur rasselose Mischlinge. Auch der Hinweis, dass es in der Gegend von Sitia noch reinrassige Kretische Jagdhunde geben soll, führt nicht zum Erfolg und er vermutet, dass diese Hunderasse ausgestorben sei.
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Herr Spatz war wohl einer Besonderheit der kretischen Mentalität zum Opfer gefallen, denn der Kretische Jagdhund war keineswegs ausgestorben. Aber die Besitzer dieser Hunde hielten deren Existenz häufig geheim und hüteten ihren Schatz, so daß es für einen Ausländer schwierig war, einen echten Kritikós Lagonikós zu finden. Nur wenige Jahre später erscheint in der Jagdzeitschrift „Kynigetika Nea“ der Artikel „Die berühmten Kretischen Hunde des Altertums“. Autor ist der bekannte Archäologe Spiridon Marinatos, der 1933 das Archäologische Museum Iraklion leitet. Er ist leidenschaftlicher Jäger und Hundeliebhaber und kennt natürlich die vielen antiken Hundedarstellungen, aber auch die neuzeitlichen Hunde Kretas. Er schlägt die Gründung einer Assoziation für den Schutz und die Entwicklung des Kretischen Jagdhundes vor und hinterlegt für diesen Zweck 500 Drachmen. Leider verlaufen seine Bemühungen im Sande. Im Jahre 1955 gründet der kürzlich verstorbene Tierarzt und Kynologe Dr. Stavros Basourakos aus Athen die Griechische Kynologische Organisation EKO. Er war wesentlich an der Anerkennung des Ellinikos Ichnilatis (der Spürhund vom Peleponnes) beteiligt und interessiert sich von Anfang an auch für den Kretischen Jagdhund. Fast 40 Jahre lang versucht er, Informationen über diese Hunde zu bekommen, indem er Kontakt zu kretischen Jägern und Jagdverbänden sucht, durch Anzeigen und Artikel in entsprechenden Zeitschriften um Informationen bittet usw. Lange sind seine Bemühungen erfolglos und er sieht Parallelen zur Entwicklung des Cirneco del Etna in Italien, dessen „Entdecker“ 60 Jahre bis zur Anerkennung dieser Rasse benötigten. Die Gründe dafür waren sowohl auf Sizilien wie auf Kreta vor allem in der Mentalität der Menschen dort zu finden. Es waren irrationaler Aberglaube (Angst vor dem bösen Blick), Furcht vor Diebstahl der Hunde aber auch einfach eine gewisse Nachlässigkeit im Spiel. Diese Hunde waren seit Generationen nur für den Gebrauch bestimmt und durch natürliche Auslese gezüchtet wurden. An der offiziellen Anerkennung als Rasse hatte kaum jemand Interesse. Im Juli 1961 veröffentlicht Dr. Basourakos folgenden Artikel in der Zeitschrift „Kynophilia“: „Der Kritikós Ichnilátis oder Kritikós Lagonikós ist unumstritten die älteste Jagdhundrasse Europas mit 4000 jähriger Geschichte. Wegen seiner Isolierung in den gebirgigen und ungastlichen Geländen des Hinterlandes Kretas hat diese Rasse fast völlig ihre ursprüngliche Windhundmorphologie beibehalten. Heute jedoch ist die Reinheit der Rasse ernsthaft durch das Rassenmischungsphänomen bedroht, aber es gibt immer noch einige typische Exemplare in den Bergen Ostkretas.“ Dann beschreibt er die Rasse. Im Oktober 1961 erscheint ein Appell an alle Jäger und Jagdverbände mit der Bitte um Hilfe und Informationen unter dem Titel: „Der Wert der griechischen Hunderassen“. Er schreibt: “Der Kritikós Ichnilátis ist ein lebendes nationales und historisches Denkmal. Es besteht die Dringlichkeit zur Nutzung und Entwicklung des Kritikós Ichnilátis, da er als reine Rasse in der unmittelbaren Zukunft verschwinden könnte. Seine offizielle Anerkennung ist notwendig."
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1989 gibt es Hilfe durch den ehemaligen Tierarzt-Inspektor Kretas, Ioannis Karavelakis. Er ist auch Präsident der Kretischen Gesellschaft zum Schutz und Erhalt der einheimischen Tierwelt (Παγκρήτιος Σύνδεσμος Προστασίας και Διάσωση της Ιθαγενούς Πανίδας) und berichtet in einer Lokalzeitung von Iraklion detailliert über den Kritikós Ichnilátis in seinem Artikel „Der Schutz der historischen Tierwelt Kretas“. Im Frühjahr 1994 tragen die Bemühungen von Dr. Basourakos endlich Früchte. Der Züchter Evangelos Geneiatakis aus Ierapetra sendet ihm Informationen und zahlreiche Fotos Kretischer Hunde. Dr. Basourakos ist begeistert! Drei Alben füllen diese Fotos und sie zeigen Hunde unterschiedlichster Farben und von sehr einheitlichem Typ. Im September 1994 fährt er nach Kreta, um eine ausführliche Studie über den Kritikós Ichnilátis durchzuführen. In Ierapetra und Sitia inspiziert und vermisst er die dort versammelten Exemplare nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten, um einen einheitlichen Standard aufzustellen, wie es bereits 1956/57 für den Ellinikos Ichnilatis geschehen war.
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Die Situation heute
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Der von Dr. Basourakos aufgestellte Standard gilt im Wesentlichen noch heute und bildete die Grundlage für die Anerkennung des Kretischen Hundes unter der offiziellen Rassebezeichnung "Kritikós Lagonikós" durch den Kennelclub of Greece (K.O.E.) im März 2003. Die internationale Anerkennung durch die FCI wird angestrebt. Im April 2007 besuchte eine Delegation der FCI die Insel Kreta, um eine Sichtung des Hundebestandes und die Überprüfung des Standards vorzunehmen FCI Kommission auf Kreta . Regelmäßig finden auf Kreta Zuchtschauen statt, um die typischen Exemplare zu registrieren. Jeder Hund wird dort von einem ausgebildeten Richter der Rasse untersucht und nach erfolgter Anerkennung ins Zuchtbuch eingetragen. Seit dem Jahre 1997 nehmen die kretischen Züchter mit ihren Hunden an den Internationalen Ausstellungen in Athen teil. Seit einigen Jahren widmet sich eine Handvoll engagierter Züchter im Osten Kretas der Aufgabe, diese schönen und ungewöhnlichen Hunde der Nachwelt zu erhalten. Die Anzahl der reinrassigen Kritikoi Lagonikoi wird inzwischen auf ca. 500 Individuen geschätzt. Trotzdem gibt es bisher nur etwa 60 ins Zuchtbuch des K.O.E. eingetragene Kretische Hunde. Dazu schreibt die Zuchtrichterin und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde des Kretischen Jagdhundes (Όμιλος Φίλων Κρητικού Ιχνηλάτη) , Maria Ginala: „Die Kreter sind ein freiheitsliebendes Volk, stolz, unabhängig, etwas misstrauisch und eigensinnig. Sie wollen ihre Hunde nicht an Fremde geben und bis auf den heutigen Tag werden die besten Exemplare vor der Öffentlichkeit versteckt. Die Zuchtpraktiken sind hart, und die begrenzten Mittel in der Vergangenheit veranlassten die Einheimischen, alle Rüden (bis auf die besten) zu kastrieren und diejenigen Hunde, die bei der Jagd versagten, zu töten. Daraus resultierte eine außerordentlich starke und gesunde Rasse, allerdings von sehr kleiner Anzahl. Über Jahre wurden sie geheim gehalten, und erst jetzt verlassen sie gelegentlich Kreta, einzig für die seltenen Gelegenheiten, wo sie an den internationalen Hundeausstellungen in Athen teilnehmen. Dort haben die Besucher dann die Möglichkeit, eine wahre lebende Legende zu treffen.“
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Intern. Ausstellung in Athen 5.10.97
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Chania/Kreta 2.4.2003
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