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Charaktereigenschaften und Verhalten
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Wie bei jeder Hunderasse werden die Ausbildung des Charakters und das Verhalten des Kritikós Lagonikós natürlich stark von seiner Umwelt beeinflußt. Aber es gibt einige Wesensmerkmale und Verhaltensweisen, die bei fast allen Individuen dieser Rasse zu erkennen sind und als typisch gelten können. Im Allgemeinen zeigt er das Verhalten eines Pariahundes mit einem großen Repertoire an Kommunikationsmöglichkeiten. Körpersprache und Mimik sind ausgesprochen vielschichtig und komplex und er teilt sich durch eine Fülle an Lautäußerungen mit. Er hat ein außerordentlich ursprüngliches Sozialverhalten, ist anderen Hunden gegenüber freundlich und unaufdringlich. Bei Konflikten verhält er sich eher defensiv. Fremden Personen begegnet er gleichgültig oder mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis, allem Fremden gegenüber ist er zurückhaltend bis mißtrauisch. Von einem guten Kretischen Hund werden die gleichen Tugenden verlangt wie von einem jungen kretischen Mann, ausdauernd und draufgängerisch bei der Jagd, höflich, freundlich und zurückhaltend im Umgang. Die Kreter haben dafür ein Wort: Levendis. Dr. Basourakos beschrieb die Eigenschaften des Kritikos Lagonikos wie folgt: Lebhaft, intelligent, vorsichtig, flink und wendig, mit sehr feinem Geruchssinn und großer Widerstandsfähigkeit. Er arbeitet aktiv und sorgfältig bei der Jagd auf Hasen ebenso wie auf Wildkaninchen, gewöhnlich allein oder paarweise und er ist geeignet für jedes Gelände, selbst für das felsigste, raueste und unwegsamste. Bei der Verfolgung der Beute erreicht er auf kurzer Strecke hohe Geschwindigkeiten. Seine Stimme ist nicht sehr laut, man hört sie gewöhnlich als "Kampfschrei" beim Angriff auf den Hasen. Im Standard, verfasst von Maria Ginala, liest man über Charakter und Fähigkeiten: aufgeweckt, intelligent, freundlich, bei der Jagd voller Elan, Wagemut und Durchhaltevermögen, hartnäckig, mutig und unermüdlich (diaponos), im Haus sanftmütig, gehorsam, wohlerzogen, kameradschaftlich, angenehm. Gegenüber Fremden etwas reserviert, mit seiner Familie zärtlich, seine Gefühle zeigend und anhänglich. Er lebt friedlich mit anderen Tieren im Haus und auf dem Hof zusammen (parippos - lief in der Antike neben den Reitern) und im Allgemeinen ist das Verhalten des Hundes ausgeglichen und zuverlässig. Spätreif und hochgradig instinktsicher. Seine Sinne sind bemerkenswert scharf und er hat ein rasches Auffassungsvermögen, Lebhaftigkeit und einen scharfen Verstand. Aufmerksam, neugierig und forschend, er ist leicht auf optische Signale zu trainieren und aus der Ferne zu führen. In der Antike galt er als der beste Hund für die Jagd auf Hirsch, Wildschwein und sogar den Bären. Sein Gebrauch für die Jagd auf Federwild sollte völlig vermieden werden, da der Hund dadurch träge wird und das Interesse verliert, diese Aufgabe ist unter seinen Fähigkeiten. Er ist geboren für die Hetzjagd und nur bei ihr schöpft er sein volles körperliches und geistiges Potential aus. In ihrem Rasseportrait des Kritikós Lagonikós schreibt Maria Ginala außerdem: Sanftmütig, liebevoll, aristokratisch, doch tödlich bei der Hetzjagd, ist er ein höflicher Hund, der lebendig wird in der Gegenwart von Beute. Sauber, freundlich, elegant in Erscheinung und Bewegung, ist er niemals ordinär oder aufdringlich in seinen Gebärden. Er geht freundlich und liebevoll mit Kindern um. Er bellt selten, aber er sagt Bescheid, wenn Fremde sich dem Haus nähern. Auf dem Hof tötet er Ratten und Mäuse.
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Vassili Lekkas beschreibt den Kritikós Lagonikós als einen uralten Familienhund, der für vielfältige Aufgaben geeignet ist und in den verschiedensten Bereichen eingesetzt wird. Abgesehen von seinen herausragenden jagdlichen Fähigkeiten hütet und begleitet er die Herden, beschützt die Nutztiere und bewacht Haus und Eigentum. Er ist leicht erziehbar, treu, sensibel, liebenswürdig und aristokratisch. Die Kreter sagen von ihren Hunden, daß sie sehr humorvoll sind. Tatsächlich sind sie oft zu Späßen aufgelegt, lieben Spielzeug und versuchen, durch Albernheiten die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, allerdings nur, wenn es die Situation zulässt, denn sie haben ein sehr feines Gespür für Stimmungen. Außerhalb des Hauses ist dieser Hund ein aktiver, sehr temperamentvoller Begleiter, der aufgrund seiner Aufmerksamkeit und hohen Intelligenz, gepaart mit der robusten physischen Kondition, zu großen Leistungen fähig ist. Es ist daher sehr wichtig, ihm sowohl körperlich als auch geistig ausreichende Beschäftigung zu bieten (siehe Haltung und Pflege). Wie alle Windhundartigen hat er einen ausgesprochenen Freiheitsdrang und natürlich ein entsprechendes Jagdverhalten. Er liebt es, stundenlang herumzustöbern und zu graben und bei der Jagd auf Mäuse, Ratten und andere Kleintiere ist er sehr erfolgreich. In ungewohnten Situationen und unbekannten Gegenständen gegenüber zeigt der Kretische Hund ein für ihn typisches Verhalten. Neugierig, aber sehr vorsichtig nähert er sich allem Fremden unter extremer Anspannung und jederzeit bereit, sich mit einem gewaltigen Sprung in Sicherheit zu bringen. Er reagiert dabei aber nicht übermäßig ängstlich oder gar panisch, sondern nur sehr zurückhaltend.
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Auch wenn der Kritikós Lagonikós ein vielseitig verwendeter Gebrauchshund ist, entfaltet er seine wahren Fähigkeiten vor allem bei der Jagd. Die Hasenjagd auf Kreta stellt aufgrund der extremen Geländeverhältnisse besonders hohe Anforderungen an die Hunde. Die Härte und Schärfe, die sie dabei an den Tag legen, steht in krassem Gegensatz zu ihrem sonstigen Verhalten. Meist fahren die Jäger mit einem oder zwei Hunden, häufig ohne Gewehr, in abgelegene Gebirgsregionen. Gelegentlich werden zusätzlich junge Hunde zur Ausbildung mitgenommen. Die Jagd beginnt im Morgengrauen und dauert viele Stunden, oft bei Temperaturen um die 40°. Die Hunde jagen mit allen Sinnen. Sie suchen mit der Nase die Spur des Hasen, der sich in Felsspalten oder im Dornengestrüpp (Macchia) versteckt. Sie verfolgen ohne Spurlaut die frischeste Fährte, die direkt zum Versteck des Hasen führt. Am lebhaften Rutenspiel erkennt der Jäger, wenn sich die Beute in unmittelbarer Nähe befindet. Mit gespitzten Ohren lauschen sie auf jede Regung ihres Opfers. Währenddessen kommunizieren die Hunde über ihr Rutenspiel miteinander, und das plötzliche Erstarren eines Hundes, mit hoch aufgeringelter Rute, zeigt dem Jäger, daß das Versteck gefunden wurde. Wenn der Hase aufgejagt worden ist, beginnt unter hohem Gebell die Hatz über scharfkantige Felsen und dornigem Bewuchs. Dabei vollführen die Hunde atemberaubende Sprünge und Wendungen, um dem hakenschlagenden Hasen den Weg abzuschneiden. Oft müssen tiefe Schluchten und meterhohe glatte Felswände überwunden werden. Mit Eleganz und Leichtigkeit bewegen sich die Hunde in dem schwierigen Gelände. Die Hunde arbeiten miteinander und die Erfahrung lehrt sie "wie der Hase läuft". Sie sind schnell genug, um den Hasen im Lauf zu packen. Wenn ein Hund die Beute gefasst hat, apportiert er sie seinem Herrn, ohne daß die anderen Hunde versuchen, sie ihm streitig zu machen. Der Jäger kann seine Hunde, die immer wieder Blickkontakt mit ihm aufnehmen, durch optische und verbale Signale aus großer Entfernung führen. Allerdings erbringen die Hunde diese Leistungen nur bei entsprechend guter Bindung an ihren Halter, die nur durch viel Zuwendung entsteht. Die Ausbildung zum Jagdhund nimmt mehrere Jahre in Anspruch und erfordert viel Einfühlungsvermögen. Sie basiert auf einer guten Mensch-Hund-Beziehung, und es wird mit viel Ruhe und Geduld ohne unangemessene Härte gearbeitet. Ein ausgebildeter Hund ist entsprechend wertvoll und teuer. Für einen Jäger, der in seinem Hund nur einen Gebrauchsgegenstand sieht, ist der Kritikós Lagonikós nicht geeignet.
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